100 Jahre AWO

von Georg Neubert (Kommentare: 0)

100 Jahre Kampf für Gerechtigkeit und Solidarität, für Vielfalt und Frauenrechte, für soziale Demokratie

Grußwort des SPD OV-Vorsitzenden Michael Stoltenburg

Wie an vielen Orten Deutschlands in diesem Jahr feiern wir heute auch hier in Waldkirch das 100-jährige Bestehen der Arbeiterwohlfahrt. Seit 100 Jahren kämpft die AWO, wie sie selbst schreibt,  „für Gerechtigkeit und Solidarität, für Vielfalt und Frauenrechte. Für ein menschenwürdiges Leben, in dem niemandem Almosen zugeteilt, sondern allen Chancen für Teilhabe ermöglicht werden.“
Was heute selbstverständlich scheint, war vor 100 Jahren, am 19. Februar 1919, sensationell: Vor dem Parlament hält zum ersten Mal eine Frau ihre Rede. Marie Juchacz setzt sich für soziale Rechtsansprüche ein, um die immense Not der Nachkriegszeit zu lindern und besonders die Gleichberechtigung der benachteiligten Frauen zu fördern. Auch um die helfende Solidarität der Arbeiterschaft untereinander zu organisieren, gelingt ihr am 13. Dezember 1919 die Gründung des "Hauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt". Es ist der Grundstein einer Erfolgsgeschichte für das Sozialwesen in Deutschland.
Ihr sozialpolitischer Ansatz ist dabei ganz geprägt von der akuten Notwendigkeit, die verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs, die insbesondere die Arbeiterinnen und Arbeiter tragen, in den Griff zu bekommen:

  • die Versorgung der Hinterbliebenen des Krieges, von Witwen und Waisen,
  • die Unterstützung von Kriegsinvaliden
  • die Fürsorge für Arbeitslose und
  • die Beseitigung der Wohnungsnot.

So sahen die schwierigen Rahmenbedingungen für Sozialpolitik in der jungen Demokratie aus. Aber die Weimarer Republik war mehr als nur die Antwort auf die Despotie des Kaiserreichs und die Not des Krieges. Sie war auch der Aufbruch in die Gestaltung besserer Lebensverhältnisse für Millionen Menschen.

In der Bildung, im Wohnungsbau, in der Gesundheitspolitik und in dem, was wir heute Gleichstellungspolitik nennen: Auf all diesen gesellschaftspolitischen Feldern erlebte die Weimarer Republik einen Aufbruch in Richtung Moderne.

Es gab vieles, was diesen Aufbruch ermöglichte. Eine Politik mit sozialdemokratischer Handschrift gehörte dazu, unabhängige Gewerkschaften und auch Sozialverbände wie die AWO, die eben nicht umsonst 1919 gegründet wurde, damals noch als Teilorganisatin der SPD.  Uns verbindet aber nicht nur die gemeinsame Geschichte, sondern auch die Aufgaben von heute.
Wir alle können in diesen Tagen erleben, wie notwendig eine klare sozialpolitische Kursbestimmung ist. Ob Grundrente, Bürgerversicherung oder Mindestlohn – wir müssen als SPD klar sagen, wofür wir stehen. Auf dieser Grundlage wollen wir auch die Zusammenarbeit mit der AWO gerne stärken und ausbauen. Denn wir wissen: So wie die demokratische Revolution und der Frieden von 1918/19 keinen Bestand hatten, so gibt es auch für Fortschritte bei Gleichstellung und Teilhabe keine Ewigkeitsgarantie. Rechte müssen wahrgenommen, verteidigt und ausgebaut werden, wenn sie Bestand haben sollen.
Humanität darf auch vor den Geflüchteten nicht halten machen, denn Mitmenschlichkeit und Solidarität sind nicht teilbar. Und so freue ich mich als einer der Sprecher des Waldkircher Bündnisses halt!zusammen, dass es für die AWO selbstverständlich ist, seit 2016 ein aktiver Teil dieses Bündnisses zu sein.
Das Gesicht der Jubiläumskampagne der AWO ist das ihrer Gründerin Marie Juchacz. Ihre Kernthemen sind die Anliegen, mit denen Marie Juchacz das Selbstverständnis und den Anspruch der AWO geprägt hat: Frauenrechte, Vielfalt, gegen Almosen – für Teilhabe, menschenwürdiges Leben, Gerechtigkeit und Solidarität.
In diesem Sinne wünsche ich der AWO weiterhin Mut, Entschlossenheit und viel Unterstützung. 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt, davon 72 Jahre Arbeiterwohlfahrt hier in Waldkirch - darauf könnt ihr stolz sein!

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